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„Die ungelösten Probleme halten einen Geist lebendig
und nicht die gelösten.“ (Erwin Kolbenheyer) Liebe Kundin, Lieber Kunde,Sie kennen meine Meinung über Bastel-Lösungen gegenüber Werkzeugen und Komponenten von Profis. Als Leser meines Newsletters haben Sie dies noch vom September letzten Jahres gut in Erinnerung. Softwareprojekte sind meist unwirtliche und unübersichtliche Landschaften, die in vergleichsweise kurzer Zeit und unter enormen Druck von allen Seiten durchquert werden müssen. Improvisationen mit auf den ersten Blick kostenlosen Lösungen können da leicht ins Desaster führen. Doch auch professionelle Tools stellen den Entwickler vor die Qual der Wahl. Entschieden ist schnell, die Reue kann aber lang sein.
Nicht die Kosten ...Jeder Beteiligte muss sich einfach darüber im Klaren sein, dass nicht die Kosten der Entwicklungs-Werkzeuge entscheidend sind, sondern deren Produktivität und Qualität, die sich damit gewinnen lassen.Die Anschaffungskosten für ein Tool sind, verglichen mit den Folgekosten einer falschen Wahl, wie Projektzeitverlust, Qualitätseinbußen und Unzufriedenheit der Mitarbeiter, meist zu vernachlässigen. Den Preis am Anfang kennt jeder – die Folgekosten überschauen nur wenige. So wird schnell klar, wie Entscheidungen oft gefällt werden. Leider führt genau diese Fehleinschätzung zu falschen Entscheidungen bei der Eignung von Freeware-Tools. Doch wie viele teuere Tools liegen ungenutzt in Büroschränken? Wieviele Gigabytes teurer Software fahren auf Festplattern im Kreis, ohne tatsächlich genutzt zu werden? Scheinbar ist es leichter, Geld für Tools bewilligt zu bekommen, als fundiertes Wissen für deren Auswahl und Nutzung zu finanzieren. Es ist ein weit verbreitetes Phänomen, dass der Wert des Wissens in den Köpfen der Mitarbeiter zwar überall betont wird, aber die Bereitschaft vom Management, in dieses Wissen zu investieren, dazu häufig im krassen Widerspruch steht.
... nur der Nutzen zähltDie Anschaffung eines neuen Tools sollte in erster Linie einen plausiblen Nutzen haben, der die Investition rechtfertigt.Und diesen gilt es zunächst einmal zu verstehen: Hinterfragen Sie die Potentiale an Geldeinsparung und Zeitgewinn, sowie Qualitätssteigerung und Risikovermeidung. Wenn Sie ein Tool in Betracht ziehen, das eine neue Methode oder Arbeitsweise unterstützt, stecken Sie sehr wahrscheinlich in einem Dilemma: Wie sollen Sie ein Tool auswählen, wenn Sie weder die Methode, die es unterstützt, noch das Tool selbst in der Praxis kennen?
Learning by DoingWeit verbreitet ist der Irrglaube, das aus einem Junior-Programmierer mit ein paar Klicks an einem Profi-Tool ein erfahrener Programmierer wird. Welcher gestandene Entwickler gibt schon gerne zu, dass er ohne Weiterbildung mit der Mächtigkeit eines neuen Tools überfordert ist?„Irgendwie werde ich mich da schon reinwurschteln“ ... oder im Englischen „Learning by Doing“ und „Trial and Error“. Sicher kein Problem, wenn man genug Zeit hat und Fehler keine Rolle spielen. Aber dieses paradiesische Umfeld gibt es in der rauen Praxis unseres Berufsalltags leider nicht. Deswegen empfehle ich Ihnen, dass wenigstens eine Person in Ihrem Team vor einer Toolevaluierung eine einschlägige Methodenschulung und vor dem Kauf eine Toolschulung macht. Sie kommen so nicht nur schneller, sondern vor allem auch sicherer zu einer fundierten Entscheidung, die Sie später nicht bereuen müssen. Bei mir läuten immer spätestens dann die Alarmglocken, wenn ein Kunde zum zweiten, oder gar dritten Anlauf für eine Tool-Evaluierung ansteht, und eine weitere Demo-Lizenz registriert. Das zeigt mir deutlich, dass hier viel Zeit verschwendet wurde und wird und jemand auf dem Weg zur Entscheidungsfindung ziemlich im Dunkeln tappt. Gut, dass die Tool-Hersteller kostenlose Evaluierungsversionen anbieten. Damit braucht kein Entwickler die berühmte Katze im Sack zu kaufen. Bei dem wohlfeilen Angebot kostenloser Downloads kann der Entwickler leicht der Versuchung erliegen, mal eben etwas Neues herunterzuladen und ausprobieren zu wollen. Dass Sie mich hier nicht falsch verstehen: ich will Ihnen das bestimmt nicht ausreden – ganz im Gegenteil! Wenn ein solcher Download aber planlos und ohne konkretes Ziel geschieht, wird der Nutzen auch nicht nennenswert sein.
Einfach unverzichtbarEs ist unverzichtbar, eine Tool-Evaluierung richtig vorzubereiten und zeitlich zu planen.Dazu zählen fundiertes Wissen über Methode und Nutzung des Tools – und wenn notwendig, die entsprechende Schulung vor der Evaluierung. Dazu zählt auch unverzichtbar die für die Tool-Evaluierung fest reservierte Zeit mit einem konkreten Evaluierungs-Plan und -Ziel:
Eine Tool-Evaluierung erfordert Disziplin – nicht nur von den Entwicklern, die sie durchführen, sondern auch aus Sicht des Managements, das für die nötige Vorbereitung und den nötigen Freiraum verantwortlich ist.
Herzliche Grüsse und ein frohes Osterfest wünscht Ihnen,
„Wer vom Ziel nichts weiß, kann den Weg nicht haben."
(Christian Morgenstern)
Anmerkung zum neuen Telekommunikationsgesetz (seit 1.03.2006): |
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